June
29
This song http://www.youtube.com/watch?v=y_z7uhy1_lg for this story:
Ich habe in mir so viele bunte Schnipsel, dass ich gerne einen Faschings-Umzug veranstalten würde um meine Innenwelt in kleinen Teilen auf alle niederprasseln zu lassen. Es liegt nicht an mir, aufzuteilen. Also: Aufheben wenn man will oder einfach liegen lassen.
Wenn die ausgelassene Musik nur noch verzerrt nachhallt und zerplatzte Pappbecher an feuchtfröhliche Tänze erinnern, bin doch immer ich diejenige, die zusammenkehrt. Schlussendlich mache ich das meistens ein wenig wehmütig und doch tapfer lächelnd.
Loop Loop. Die Narbe von kalten Küssen. Endlos.
Und Planeten, die mir zugeordnet werden. Ein ganzes Sonnensystem in mich reinprojeziert. Ich mag heute Pluto sein. Der Blaue da ganz weit draußen, der plötzlich nach mehreren Diskussionen am runden Tisch der weißkitteligen Planeten-Einteiler nicht mehr unserem Sonnensystem zugehörig scheint. Ich nehme mal an, dem Pluto ist das herzlich egal, wenn er nicht mehr in ein System voller Ignoranz und Habgier eingebunden ist. Und in der Schule von dickbäuchigen Lehrern eierförmig und in hässlichem Kreideblau an die Tafel geschmiert wird.
Geträumt heute von einem Menschen, der in meinem Leben überhaupt keine Rolle spielt, aber dennoch schon Worte in meine Ohren gelegt hat. Ein Mensch, der wohl auch schon gelitten und als Kind Hundehaare an sich kleben hatte.
Dieses besagte Mädchen band mir mit einem wuchtig goldenen Haarband einen Pferdeschwanz und ich fühlte mich als Königin der Welt. Ich stand in mitten einer Crime-Scene und tänzelte durch einen nahegelegenen Wald, um den Schüssen eines Japaners (mag Sushi habennn) auszuweichen. Konfus. Konfuzius.
Bwaaaah… ich fahre so gerne Auto. Es ist so, als würde ich mir das Ziel immer aussuchen können, obwohl meine Pflichten das nicht zulassen. Aber ich denke mir das kurz.
Hole dich einfach ab, nachdem du deine Hemden (ICH bügle die bestimmt nicht!) aussortiert hast. Wir fahren dann mit der Steigung in den Liedern von Ulver, Trommelwirbel am Lenkrad und Zwischenstops bei McDonalds geeeeen …. hm. Mysthischer Norden oder erholsamer Süden? Mediteran oder lieber die Wahrscheinlichkeit Björk zu sehen?
Als wir in einer Gala lesen, dass Björk in der Toscana entspannt, ist das Ziel klar. Und du bist ohnehin auch der Norden für mich. Sometimes der Nordwind, aber nur wenn mein Herz der Mars ist. Rot und wütend. Und weit weg.
May
26
This song for this story: http://www.youtube.com/watch?v=EvDMDMxDAlc&translated=1
Ich hab mich nicht mal gefragt was Leonardo diCaprio – mein *räusper* Jugendschwarm – in meinem Traum verloren hat.
Nun denn. Wir waren auf einem riesigen Feld. Weit, golden, wunderschön. Ein riesiger Gebäudeklotz thronte in der Mitte.
Hand in Hand liefen wir darauf zu. Leicht, beschwingt, fast fliegend. Seine Hände waren feucht und meine auch. Es war als würden wir so viel wie möglich austauschen wollen.
Angekommen wurden wir herzlich empfangen. Und gleich zu einer merkwürdigerweise sehr erfüllenden Feldarbeit eingeteilt. Zwischen dem Weizengewusel unser blitzendes Lachen und das schwitzende Vergnügen. Scheue Küsse und ein Kitzeln auf der Nasenspitze.
Am Abend begannen die Gestalten sich gleichzeitig mit dem Himmel zu verdunkeln. In der Nacht schlichen er und ich hinaus auf den Flur, wo in Einstürzende-Neubauten-Manier alles grün flackerte. Der goldene Tag und das Lachen waren wie in einer Paralellwelt in unseren Hinterköpfen.
Ein Steg aus Glas führte uns hinaus über eine wabernde Wasserfläche. Wie ferngesteuert liefen Wachen herum. Wir schafften es knapp zu entwischen und befanden uns blickgeschützt hinter einem Balken, hinter dem wir den Steg starr im Auge behielten.
Mit offenen Mündern und verkrampften Händen sahen wir zu, wie Menschen in Netzen über einem Rudel zappelder Haie fallengelassen wurden. Die dunkelrote Suppe, die in der Schwärze der Nacht noch bedrohlicher wirkte als zu einer anderen Tageszeit, ließ mich fast ohnmächtig werden. Es lag ein unfassbares Grauen über diesem Augenblick und wir sahen in den aufgerissenen Augen des Gegenübers, dass wir uns inmitten dieses Geschehnisses befanden. Das war kein Film. Da waren wir. Und wir würden auch als Haifischkacke enden.
Tagelang und mit einer enormen Unruhe in uns heckten wir Fluchtpläne aus. Oft nur mit Handzeichen. Wir studierten die Mimik und Gestik des anderen, arbeiteten am puren Überleben.
Und einfach so mitten während der Feldarbeit rannten wir, Hand in Hand, wieder fliegend in Richtung Straße und schrien uns, bei den Versuchen ein Auto anzuhalten, die Seele aus dem Leib. Wir fuhren irgendwann mit.
Und lasen Tage später in der Zeitung von einem neuen, zarten Haifischfleisch, das durch besondere Fütterungen zur Eliten-Delikatesse wurde.
April
16
This song http://www.youtube.com/watch?v=3DydY8bHTyg for this story:
Wenn wir durch die Wüste reiten, weht uns der heiße Sand in die Haare und bröselt dort die tausend Jahre alten Geschichten hinein. Fortschreitenede Karawane in fließendem Schritt. Spürbares Wachstum an Erfahrungen und die Ewigkeit im Nacken. Pyramiden türmen sich am Horizont und dein Finger zeigt in diese Richtung. Als ob ich sowas übersehen könnte. Ich schaudere und erinnere mich an frühere Existenzen. Du siehst das und weißt davon. Lächelst still in dich hinein. Weiter im wankenden Schaukelschritt und der Himmel dunkelt langsam zu. Unser Ziel ist das Leben und der Weg dahin trocknet uns aus. Wir folgen den Sternen und der Intuition. Das Wasser gießen wir gierig in die offenen Münder und unsere nassen Haare peischten in alle Richtungen. Alles in Zeitlupe. Die Nacht ist da aber wir fürchten uns nicht, denn der wankende Fortschritt… der bleibt.
April
9
This song: http://www.youtube.com/watch?v=SDjzLH8FYR4 for this story:
Lass uns Hand in Hand durch die Waschanlage gehen.
Lass uns die Trauben einzeln vom Obststand klauen.
Lass uns betrunken Walzer tanzen.
Lass mich Buttermilch aus deinen Achselhöhlen schlürfen.
Lass uns Ziegelsteine aufs Kupplungspedal legen.
Lass uns.
Lass mich.
April
9
This song http://www.youtube.com/watch?v=AFTCr9CIZ0o for this story:
Wenn der Raum sich verschachtelt und die Menschen kippen, wie die Roboter zu allen Seiten knicken, Haare schütteln und Augen schließen, bildet sich der Nachtrudel. Rudeltiere deren Anführer der Rythmus ist. Röcke schwingen, Arme zeichnen Luftschlösser, Beine spielen Tempelhüpfen und dann. Kurzes Innehalten. Lauschen. Verschnaufen. Um wieder aufzuspringen in die basslastige Schwärze der Nacht. Nasenflügel blähen und immer schön im Takt nicken.
February
21
This song: http://www.youtube.com/watch?v=Evj5TNrmI-E for this story:
Früh aufgestanden, Kinder an die Hand, losgefahren und in eine kleine Unterwasserwelt abgetaucht. Seeigelchen aus Stoff mit klingenden Schellen, wabbernde Unterwassertunnel, Schiffe Richtung Arktis, Eisschollen, Seeschlangen, Algen, Korallen… Alles weich und klingend. Und dazwischen Kindergelächter und kleine, robbende, sabbernde Baby-Anemonen mit entsprechendem Kopfschmuck. In den Tunnels verschwinden auch ganz akrobatisch und baucheinziehend die Eltern. Verweilen kurz auf und in der dunkelblauen schwankenden Masse (Wasserbett im Dunkeln), verlieren dort den Draht zur Außenwelt (Handy) und geben sich all dem Zauber hin. Weiter durch ein Kabinett voller Spiegel, …das Paradies für Selbstverliebte wie ich von der anderen Seite höre. Überall krabbelts und kicherts. Geschichten werden erzählt, das Horn geblasen. Überm Kopf hängt die Decke herunter und es zeichnen sich die Kinderfüße und -Gesäße deutlich ab, drücken sekündlich andere Stellen nach unten. Wenn man einfach fremde Körperteile kitzelt, dann kann man sich die Positionen noch schneller verändern sehen. Kinderhände suchend, forschend. Kulleraugen, glücklich und erstaunt. Hohe Stimmchen laut quietschend, tiefe Stimmen leise flüsternd.
Nach einer wunderbaren Stunde noch am Kinder-Atelier vorbeigestaunt. Erst ab 8 Jahren. Damn! Alles bunt, voller Farbe und Phantasie. Voller Möglichkeiten.
Kaffee und Orangensaft, Pita, Brownies und Loungemusik. Durchblicke zu interessanten Büchern (“Geht nicht gibt´s nicht!”), Gespräche am Nebentisch zwischen Tochter und aushorchendem-geschiedenem-Vater-dessen-Ex-Frau-einen-neuen-Stefan-hat.
Sonne im Gesicht, wartende Busse, sich nicht öffnende Türen und Autowaschanlage-Schlangen.
Und am Schönsten: Dort heimkehren, wo andere aussteigen um sich zu erholen und spazieren zu gehen.
Today is a good day. <3
February
20
Listen to: http://www.youtube.com/watch?v=jTaFswKkrW8 for this story:
Ich frage mich, ob ich von vorne auch so muskulös aussehe wie von oben.
Den Mund forme ich zum wilden Schrei.
Insomnia. Es ist 4 Uhr.
Nackt und rauchend sitz ich in der Küche. Alles auf nüchternen Magen. Der Rauch vernebelt meine Sicht. Gedanken kreisen und winden sich wie Stacheldraht um meine Eingeweide. Die Nacht-Spinne webt ihr Netz um mich herum und hält mich magisch tanzend wach. Die Uhr tickt unerbittlich im Rythmus des Liedes und manchmal hüpft der Zeiger auch zurück. Diese Nacht wird ewig dauern. Die schwarzen Augen starren auf mich herunter, denn sonst schlafen ja alle. Bedrohlich kriecht die Angst in mir hoch. Die Angst wahnsinnig zu werden.
Ich bräuchte zum Ausgleich etwas das mir gut tut.
SIE! SIE würd den Raum ausfüllen. Mich aus dieser Lähmung herausziehen.
Alles beleben. Mir Tee kochen und die Haare kraulen. Mein Leid teilen.
Die Minuten sind zäh wie Karamell zwischen den Zähnen. Sie zerren an den Nerven, wie besagtes Karamell an den Dritten. Alles steht still. Kein Lärm. Leben wird verschluckt, gedämpft. Da wo SIE sein sollte ist ein leerer Fleck Küche. Laut starrt er mich an. Ihr Vater starb vorletzte Nacht unter mysteriösen Umständen. Sein Gesicht war angsterfüllt und verzerrt.
Es geht IHR schlecht, SIE will allein sein. Und ich sitze hier. Nackt und somit arbeitslos. Gefangen im Strudel der Schlaflosigkeit. Allein mit wirren Gedanken und Beklemmung.
Egoistisch ist sie, die Liebe. Denn ich bin wütend, dass SIE mich jetzt nicht braucht. Kann jetzt bitte ein zweiköpfiger Zeuge Jehovas vor der Türe stehen und mir mehrstimmig Loblieder vorsingen? Dieser Stillstand ist so unerträglich. Ich muss rausgerissen werden, bevor ich eins werde mit dieser schwarzen Suppe.
Resignieren. Ich lege mich quer über den Tisch, will schlafen. Wenn ichs mir aussuchen könnte, dann für immer. Zischend kriecht die kalte Luft in meinen Mund, zwischen meinen kaffeevergilbten Zähnen hindurch. Meine Rückenhaut klebt an der Tischplatte. Diese Risse an der Decke,… Ich werde sie hypnotisieren, so dass sie mich aufsaugen und in ein schlafenes Universum spucken.
Meine Hände hängen kraftlos nach unten, die Innenflächen sind nass und verschwitzt. Meine Augen starren rot und zuckend, mein Hals ist staubtrocken und schmerzt. Wenn ich mich räuspere muss ich husten und der Geschmack von Blut verschlimmert alles. Ich dämmere weg…
…
…
Es klingelt. SIE! SIE? … Vor der Türe stehen einzelne Zeugen Jehovas. Ich grinse unnatürlich breit und kichere hysterisch. Während die zwei Männer ratlos und schockiert auf meine gebleckten Zähne starren, schlag ich die Türe wieder zu. Ob sie im dunklen Holz der Türe wohl mein Grinsen noch sehen? So wie bei geschlossenen Augen den hell-rieselnden Fleck, wo die Sonne eben noch war?