June
23
This song http://www.youtube.com/watch?v=KLpkXtM-VI8&feature=related for this story:
Wenn ich die Straßen entlang gehe, sehe ich überall kleine blaue Lichter flackern. In darin spiegelt sich dein Gesicht. Wenn ich die Augen zusammenkneife, tanzen die Blaulichter im Rhythmus meines Herzens.
Kichernd vermeide ich es, in die Fugen der Asphaltrisse zu tapsen. Und doch stelle ich mir vor, dass wenn es passiert, mein Fuß an der Stelle abbröckelt. Zu einer neuen Form findet. So ohne Zehen und im neuen Gleichgewicht, schwer zu halten. Aber mit so kleinen Bröselfüßen landet man weniger oft in den Ritzen. Wirrwarr, nicht wahr?
Weiters lande ich in einer Gasse mit kleinen Einfahrten. Ruckartig schaue ich zur Seite, um eventuelle Überfälle schon mit entschlossenem Blick abzuwenden. Ich lasere ins Leere. Da ist keiner.
Nur ich und die blauen Lichter.
Vor mir löst sich ein alter Holzstuhl aus der Dunkelheit. Der kleine Platz genießt das Moon-Spotlight und ich setze mich vorsichtig drauf. Mit überschlagenen Beinen, den Kopf in die Hände gelegt schaue ich mir die Dunkelheit genauer an. Vom Lichtplatz aus ist das sehr schwierig. Da sieht man die Facetten weniger. Nach langem Konzentrieren und mit in Falten gelegter Stirn erkenne ich sogar Nachtfalter, die auch kleine Lichter suchen.
We are all one.
May
26
This song for this story: http://www.youtube.com/watch?v=EvDMDMxDAlc&translated=1
Ich hab mich nicht mal gefragt was Leonardo diCaprio – mein *räusper* Jugendschwarm – in meinem Traum verloren hat.
Nun denn. Wir waren auf einem riesigen Feld. Weit, golden, wunderschön. Ein riesiger Gebäudeklotz thronte in der Mitte.
Hand in Hand liefen wir darauf zu. Leicht, beschwingt, fast fliegend. Seine Hände waren feucht und meine auch. Es war als würden wir so viel wie möglich austauschen wollen.
Angekommen wurden wir herzlich empfangen. Und gleich zu einer merkwürdigerweise sehr erfüllenden Feldarbeit eingeteilt. Zwischen dem Weizengewusel unser blitzendes Lachen und das schwitzende Vergnügen. Scheue Küsse und ein Kitzeln auf der Nasenspitze.
Am Abend begannen die Gestalten sich gleichzeitig mit dem Himmel zu verdunkeln. In der Nacht schlichen er und ich hinaus auf den Flur, wo in Einstürzende-Neubauten-Manier alles grün flackerte. Der goldene Tag und das Lachen waren wie in einer Paralellwelt in unseren Hinterköpfen.
Ein Steg aus Glas führte uns hinaus über eine wabernde Wasserfläche. Wie ferngesteuert liefen Wachen herum. Wir schafften es knapp zu entwischen und befanden uns blickgeschützt hinter einem Balken, hinter dem wir den Steg starr im Auge behielten.
Mit offenen Mündern und verkrampften Händen sahen wir zu, wie Menschen in Netzen über einem Rudel zappelder Haie fallengelassen wurden. Die dunkelrote Suppe, die in der Schwärze der Nacht noch bedrohlicher wirkte als zu einer anderen Tageszeit, ließ mich fast ohnmächtig werden. Es lag ein unfassbares Grauen über diesem Augenblick und wir sahen in den aufgerissenen Augen des Gegenübers, dass wir uns inmitten dieses Geschehnisses befanden. Das war kein Film. Da waren wir. Und wir würden auch als Haifischkacke enden.
Tagelang und mit einer enormen Unruhe in uns heckten wir Fluchtpläne aus. Oft nur mit Handzeichen. Wir studierten die Mimik und Gestik des anderen, arbeiteten am puren Überleben.
Und einfach so mitten während der Feldarbeit rannten wir, Hand in Hand, wieder fliegend in Richtung Straße und schrien uns, bei den Versuchen ein Auto anzuhalten, die Seele aus dem Leib. Wir fuhren irgendwann mit.
Und lasen Tage später in der Zeitung von einem neuen, zarten Haifischfleisch, das durch besondere Fütterungen zur Eliten-Delikatesse wurde.
April
13
Magst du kurz mitschlüpfen in meine Nacht?
Ich träume meistens kurz und wirr, vergesse es am Morgen immer. Selbstzerstörungsfunktion quasi.
Ooooooh. Ich dämmere schon weg, halt dich schnell an meinem Hirnlappen fest, denn ich gleite hinüber.
Ha! Da stehen wie meistens all die verrückten Personen und Gebäude, nichts hat eine Ordnung.
Nur du. Du bist die Ordnung selbst. Dich kenn ich von allen Seiten, in allen Lebenslagen. Du passt hier nicht her, aber du hast keine Ahnung wie sehr mich das freut. Stilbruch ist das. Vom feinsten.
Da drüben vor der Taverne ist eine siebenköpfige Laterne. Lass sie uns zähmen. Wir könnten ihr einen Namen geben oder sie zum Leuchten bringen.
Die violetten Kontrabässe hinterm Zaun sind meine Nachbarn seit eh und je. Sie reden gerne und viel, aber ich verstehe sie kaum, es klingt immer sehr klassisch. Der ganz rechts ist meistens sehr streichfähig, weil er zu viel trinkt. Seine Mutter (in der Mitte) hat ihm deswegen das Taschengeld gestrichen.
Komm über die Basilikumbrücke rüber, wo wir Schnapsdrosseln pressen. Et voilá … Cafouillage!
February
22
Zur Geisterstunde hat mich der Schlaf geschluckt.
Ein Greifarm hebt mich plötzlich von meinem Schiff herunter auf ein viel größeres.
Eine Stimme ruft verzerrt durchs Megaphon, dass wir (hinter mir bildet sich eine Menschengruppe) nun sehen werden, wie Johnny Depp so lebt.
(Ich glaube, ich habe mich in dem Moment sogar im Traum über mich selbst gewundert. Find ich ihn doch sehr wunderbar als Schauspieler und nicht zu vergessen sein sehr anziehendes Äußeres… Aber was macht der Typ in meinem Unterbewusstsein?! Mein Fan-Dasein ist doch längst überstanden. Und ich wünschte, es wäre damals vor zehn Jahren wirklich Johnny gewesen und nicht peinliche Boybands, die namenstechnsich knapp an BSE vorbeischlitterten.)
Nun weiter. Ich schweife ab.
Vor mir dann ein Mann, den ich für Johnny halte. Ich mag ihn. Irgendwie. Er lässt mich eintauchen in seine Welt unter Deck. Er hat lustige, weiße Rüschenblusen (Kann gut sein, dass ich da wirklich gekichtert habe… in die Stille der Nacht hinein.) Und nach Stunden voller Plauschereien und einer ausgiebigen Führung wird sein Gesicht klar und er ist nicht Johnny, sondern ein mir noch mehr Unbekannter. Im ersten Moment merke ich meine Enttäuschung. Und im zweiten umarme ich ihn.
Wo alle Menschen hin sind wusste ich in dem Moment auch nicht. Und es war mir egal.
February
21
Ich wache auf und finde mich auf einer Couch-Insel wieder. Neben mir ein schlafender, wunderschöner Mischling. Vor dem Verhungern gerettet. Unter einem Schiff ist er hervor gekrochen. Wir haben ihn gewaschen und das verwahrloste Braun wurde zu strahlendem Weiß.
Das Meer in mir und Frühstücksbrote mit gesalzener Butter. (“Mantega”, wie ich mir auch merken muss, um selbst einkaufen zu gehen.)
Nachmittags singend Muscheln (Man holt das nach Speck schmeckende Fleisch mit Stecknadeln aus dem Schneckenhaus heraus) zwischen den Felsen sammeln, im Altantik nach Seesternen tauchen, Muschelbilder machen, sich hinter den Paraventos vor tieffliegenden Drachen schützen.
Onkels Schiff wird bewundert. Ich darf zusehen wie er die Fische zur Fabrik bringt. Fischgeruch, Fließbänder, Piepen und Kommandos.
Zwischenstop im Niemandsland, wo eine Ente und ein Schäferhund zusammen in einer kleinen Hütte wohnen und am Strand tolle Fußspuren hinterlassen, wenn sie täglich miteinander spazieren gehen.
Die Heimfahrt findet in einer uralten Rostkiste statt, die Türen müssen manuell zugehalten werden.
Abends gibt´s traditionelle Muschelsuppe. Mit Miguel veranstalte ich anschließend eine Pistazien-Schlacht unterm Tisch . Wir verständigen uns mit Händen und Füßen. Lachen, keifen, rollen. Bis die Erwachsenen auszucken.
Nachts darf ich ausnahmsweise wachbleiben und während einem wunderschönen Fado in einem Keller auf Mamas Schoß einschlafen.
February
18
Kann man bei sich sein, wenn man sehr mit dem Außen beschäftigt ist?
Ich habe das Gefühl, wenn ich reise lerne ich mich selbst kennen. Stück für Stück, Situation für Situation. Ich verirre mich, muss mit fremden Menschen kommunizieren. Oft pantomimisch, weil ich ja doch nur zwei Sprachen spreche und eine dritte einfach durch konzentriertes Zuhören verstehe.
In neuen Situationen herumwuseln: Da staune ich oder ärger mich oder bin einfach nur stolz. Neue Plätze haben Platz für neue Gedanken und Ideen. Nichts Altes hängt herum, nichts zieht mich irgendwo hin, alle Richtungen sind offen, kein Gesicht erinnert mich an etwas. Gerüche ziehen mich in süße Gässchen, Touristen fragen mich nach dem Weg. Die Straßen bin ich noch nie gegangen und sie enden oft ganz eigenwillig. Städte können stolz machen, weil man sich darin schnell zurechtfindet und beeindruckende Fotos macht. Mit der Kamera oder nur im Kopf für sich selbst.
February
18
Ein Dorf in Vorarlberg. Jeder kennt jeden. Wir lieben uns, wir wehren uns, wir sind alle eins.
Eines Tages fliegen immer wieder weiße, schlanke Flugzeuge über dieses friedliche Fleckchen Erde. Ein Paket wird abgeworfen. In der Sekunde, als es den Boden berührt, breitet sich – wie bei einer Atombombe – eine gleißend helle Druckwelle in alle Richtungen aus. Stechende Schmerzen, Aussetzen des Herzens, in alle Himmelsrichtungen taumeln wir. Wissen nicht, wie es weitergehen könnte, sind gefangen im Schmerz. Als die Welle uns loslässt, realisieren wir sofort, dass auch im Wein, den wir jeden Abend trinken Gift enthalten ist. Gift, das unsere Herzen aufmacht, damit der Schmerz gut hineinfließen kann.
Jeden Tag wird ein Schmerzenspaket abgeworfen und wir leiden.
Bis dann auch wir unsere Flugzeuge besteigen und beginnen zu kämpfen.
February
16
Kann mal wer kurz die Welt anhalten, damit ich mich neben diese sich viel zu schnell drehende Kugel stellen kann, um zu verschnaufen? Mir ist schwindelig. In die U-Bahn wird reingezogen, rausgestoßen. Löcherndes Marktforschungsinstitut, wo ich doch eigentlich nur in Ruhe frühstücken wollte. Mehr Effizienz, mehr Leistung, mehr Stress. Weniger Meer. Wo bleibt eigentlich Zeit für´s Meer? Nein, nicht Zeit, es leerzufischen oder Ölteppiche zu verlegen.
Zeit, sich einen Nachmittag freizunehmen und an die Küste zu fahren.
February
16
Das Mädchen rennt und hebt ab. Die Schwerkraft kann bleiben wo sie hingehört: Bei den Erwachsenen. Ein wenig rudern sollte sie aber schon mit den Armen, sonst erwischt sie die Auffahrt zur Sonnenrodelbahn nicht. Unter ihr: Die Erdmännchen werfen kleine Hügel in die Wiesen, um die man auch herumtanzen kann. Am liebsten natürlich im Sommerregen, wenn die Haufen matschig sind und die nassen Haare durch die Luft peitschen. In den Erinnerungen passiert das auch mal in Zeitlupe und macht schöne Kopfbilder.
Die Wurzeln der Bäume sind übrigens Zwergen-Unterführungen. Did you know? Der Stamm ein Lift. Und die Blätter sind kleine Fallschirme mit denen leichte Wesen sanft zur Erde schaukeln. Wenn das Blatt zu schnell saust, weil eine dicke Raupe herzförmige Löcher knabberte, wird auf weiches Moos zugesteuert. Durch Strampeln. Sieht oft verzweifelt aus, geht aber sehr einfach. Schwerkraft ist nämlich nicht vorhanden und wenn, dann leicht manipulierbar.
Meerjungfrauen können in alle Richtungen schwimmen. Mit den Armen nach vor gestreckt, die Flossen dienen zum Antrieb. Flossen gibts in allen Farben, monatlich kann gewechselt werden. Die Schleier der Nixen bleiben oft an Felsen hängen. Sowas erzählen zumindest Mütter beim Spazieren ihren staunenden Töchtern.
Auch Wichtel haben ihre Türen. Überall in der Stadt. Sieht man hinein, sieht man natürlich nichts. Sie lassen sich nicht stören. Aber die Türen sind sooo klein und haben doch Türschnallen. Dahinter MÜSSEN einfach kleine Wichtelfabriken sein. Zu Weihnachten geht´s sehr rund. Es ist stressig, ein Gewusel. Kleine Wurstfingerchen verpacken Schaukelpferde in Sternen-Papier. In der Mittagspause gibts tropfende Schokolade aus Fingerhüten.
Noch Fragen?