May
13
Sehr philosophisch angehaucht diese Tage.
Liegt wohl an der vielen Ruhe, der Veränderung und dem Buch, das ich lese.
Ein Buch, das ich eigentlich zum zweiten Mal lese. Hape Kerkeling, ein Komiker auf dem Jakobsweg. Auf der Suche nach dem Beweis, ob Gott existiert. Im Grunde auf der Suche nach sich selbst.
Wahnsinnig spannend auf Grund von den unterschiedlichsten zwischenmenschlichen Begegnungen. Eine harte Reise, die er sehr oft abbrechen wollte, um dann doch irgendwoher neue Kraft zu sammeln und durchzuhalten. Es begleitet ihn zwar eine Frage, die ich mir selbst schon beantworten konnte: “Wer oder was ist Gott?” Da sag ich ganz klar für mich: “Das ist jeder Einzelne für sich selbst. Nicht im größenwahnsinnigen Sinne. Sondern im sich selbst Verbundenen. Und auch mit dem Gedanken, dass Veränderungen im Außen zuerst im Inneren stattfinden müssen.
Meine Begegnung mit einer wichtigen Bezugsperson aus meiner Vergangenheit bringt mich auch täglich zum Grübeln. Stattliche 81 Jahre alt ist diese Frau. Unglaublich stark und doch ihrer eigenen Tochter irgendwie ziemlich unterlegen. Sie lässt sich regieren.
In diesem Haus passiert ein unglaubliches Werte-Ping-Pong. Alles wird bewertet und auch gerne als schrecklich und furchtbar empfunden. Pubertät, schon kleine Abnormitäten im äußerlichen und inneren Bereich, Grenzgänger, Aussteiger. Worte wie “schlecht, böse, furchtbar, schrecklich, Machenschaften und Intrigen” fallen. Und ich frage mich, wohin das führt. Ob das Chaos in einem selbst besser werden kann, wenn nur bewertet wird und schwarzgesehen. WARUM das alles so passiert und auch warum wir welchen Menschen begegnen, wird nicht hinterfragt. Lernprozesse werden als furchtbare Schicksalsschläge bezeichnet und das eigene Leben wirkt plötzlich wie ein einzigs Drama.
Um wieder auf das Buch zurückzukommen… Wie unendlich schwierig manche Wege zu beschreiten sind… So schwierig, dass man denkt, die Welt bleibt stehen. Und viele bleiben an dem Ort der Resignation wirklich sitzen. Sind in der Verzweiflung gefangen, entscheiden sich gegen das Kämpfen. Kämpfen gegen sich selbst. Wenige Pilger schreiten voran, trotz Schmerzen und Zweifel. Ich denke, für schwierige Wege braucht der Mensch zu erst mal eines: Vertrauen. Vertrauen zu sich selbst. In der reinsten Form. Das geht Hand in Hand mit Ehrlichkeit zu sich selbst. Was ganz bestimmt der steinigere Weg ist. Aber längerfristig der gesündere. Der, auf dem Entwicklung statfinden kann. Wenn man einen Gipfel erreicht hat, darf man ruhig zum nächsten rüberschauen, die Sehnsucht haben, auch diesen zu bewältigen. Aber erst einmal verschnaufen und zur Ruhe kommen.
Auch ein Film hat mich letztens sehr nachdenklich gemacht. “Vincent will Meer”. Deutsche Produktion, wunderbare Schauspieler, tolles Trio (ein Tourettler, eine Magersüchtige und ein Neurotiker). Diese drei Menschen brechen aus der Anstalt aus. Momente, die sich innerhalb einer Minute in die gegengesetzte Richtung entwickeln. Seh ich mir bald wieder an.
Ich habe Stillstand erlebt. Innerlich. Und ich habe erlebt, wie man innerhalb von Monaten Entwicklungen nachholen kann. Welche Ereignisse was auslösen und meistens sind es doch die unangenehmen, die uns sagen, was zu ändern ist.
Wobei es eben unmöglich, sinnlos und auch respektlos ist, andere Menschen ändern zu wollen. Die Entscheidung sollte im Inneren eines jeden selbst liegen. Und ich verschrub mich eben und statt liegen stand da lieben.
Liebe sollte keine Erwartungshaltung sein, sondern etwas das im eigenen Inneren konstant und verlässlich wohnt. Eine Unabhängigkeit nach außen hin.
Im Grunde finde ich unglaublich wichtig, sich zu entwickeln. Denn ändern… so richtig anders sein will und kann kein Mensch. Wir haben ein Grundwesen und das soll, wie die Mauern eines Hauses auch stehen bleiben. Was in den eigenen Wohnräumen passiert, ist jedoch etwas Großes und Wichtiges. Im Grunde geht es nur um das Voranschreiten. Das Arbeiten mit dem Ich. Das Lernen aus Ereignissen. Und da gibt es Situationen, die sich ähneln. Die aber kein Umdenken auslösen, weil der einfachere Weg friedlich vor einem liegt und man damit auch nie schlechte Erfahrungen gemacht hat. Wenn ich einfach drauflos gehe, stehe ich dann vor dem nächsten Weg, der vielleicht mehr Gefahren birgt und bin unausgerüstet. Habe noch keinen Gipfel erklommen, bin noch nie gekrochen, vertraue mir selbst nicht. Und wenn es einen steinigen Weg gab, dann habe ich resigniert und auf Hilfe gewartet. Wie in dem Buch, als Hape sich im Auto mitnehmen ließ. Bestimmt eine kluge Entscheidung auf Grund seiner Dehydration. Aber wenn es nicht um den körperlichen Verfall geht, gilt es zu kämpfen. Mit allen Mitteln.
Ein Mittel, das wie gute Schuhe wirkt am Weg nach oben, ist bestimmt Ehrlichkeit nach innen und außen. Ein Mittel, das wie ein stützender Wanderstab auch Wege nach unten ein wenig abfedert, sind Freunde und Familie. Ein Mittel, das ist wie die Beine, ohne die man keinen Gipfel besteigen kann ist wohl Eigenliebe.
Lernen wir das?
Und wenn ja wo?
Sag einmal in der Volksschule laut vor der Lehrerin welche Talente und Stärken du hast. In der Pause kannst du dann die Spottereien kassieren.
Eine Verwandte hat dies einmal versucht. Hauptschule. Junge Menschen, alle Türen in die Welt hinaus offen. Ihre Frage als Lehrerin: “Welche Stärken habt ihr?” KEIN Kind traute sich aufzustehen. Und ich bin mir sicher, dass niemand das wirklich wusste.
Trauriges Ergebnis. Wie soll man ohne Beine den Berg des Lebens erklimmen?
Ich bekam das glücklicherweise von meiner Mutter mit. Das Gefühl, wertvoll zu sein. Und doch gab es oft Momente in meinem Leben, in denen ich zweifelte und resignierend am Weg sitzen blieb.
Weitergetrieben hat mich dann wohl nur die Aussicht, irgendwann oben zu stehen. Eigenliebe zu entwickeln, Vertrauen zu bekommen.
Ja, sehr philosophisch, das Prinzesschen. Und vielleicht wirkt der Vergleich ein wenig abgeluscht, das Leben als Berg zu bezeichnen. Aber mein Hirn rattert und ich teile mich gerne mit. Ich führe gerne Diskussionen und vorallem bin ich hungrig nach Wissen. Hungrig nach Entwicklung. Hungrig nach dem Leben.