February
16
Ich befreie den Fisch (genauer genommen eine Forelle) aus der silbernen Tasche, in die ihn die Verkäuferin reinrutschen ließ. Glitschig ist er und kalt. Die Augen drücke ich im Kreis herum und schaudere. Die Kiemen wurden rausgeschnitten. Frechheit! Im Fernsehen erzählte man mir, dass daran die Qualität zu erkennen wäre.
Ich lasse mich nicht beirren und wasche das Kerlchen. Unterm Wasser könnte es wieder erwachen. Schlussendlich ist der Fisch aber einfach nur sauber und bereit, gefüllt zu werden. Warteschleifenmusik ertönt und ich lege den kleinen Freund zur Seite, bereite die Füllung vor. Er kann gerne zuschauen.
Den Knoblauch schäle ich aus dem Mäntelchen und dabei rutscht ein Stück davon unter meinen Fingernagel. Ein Schrei entfährt mir und der Fisch sieht mich entsetzt an. Mit offenen Augen und Mund. Ich lege den Finger auf die Lippen. Pssst. Schon gut. Nichts passiert.
Weiter also. Würfeln und energisch wie ein Möchtegern-Profikoch den Säbel niedersausen lassen. Natürlich immer mit der Spitze am Boden bleiben. Nur das scharfe Hinterteil (haha) rauscht nach oben, holt Schwung und zerteilt die weißen Ecklein. Elegant wird das Häufchen Geruchskino mit dem Messer auf die Seite geschoben. Rechts ganz verfranst und links schön bündig ans Messer angepasst.
Gewürze warten am Balkon. Sonnen sich dort, duften den Bienen den Weg. Basilikum, Dill (der macht was er will) uuuuuuuund Thymian. Es gibt doch solche Poster für die Küche, auf denen alle Gewürze abgebildet sind und wozu man sie verwenden kann. Ist das nicht verrückt? Sogar Gewürze haben Regeln. Ich nehme ein Gewürz, das gut zu Fleisch passt und lege es dem Fisch in den Bauch. Die anderen zwei folgen. Kräuterbauch und leere Augen.
Aus dem Knoblauchhaufen zupfe ich die Mitte heraus und lege sie ins grüne Bett dazu. Mein Blick fällt auf die Zitrone auf der Fensterbank. Gespalten und den Saft noch in den Bauch geträufelt. Wo wir dabei sind… Auch gleich außen auf die Haut, die darauf hin in neuem Glanz erstrahlt.
Ein wenig nervös greife ich nach dem Salz. Damit kann ich alles ruinieren. Zu viel oder zu wenig wäre schrecklich. Und doch muss das nach Gefühl passieren. Durch das Loch rieselt das weiße Gold in meine hohle Handfläche und versammelt sich dort. Meine Finger im Pinzettengriff verteilen das Salz ein wenig innen, massieren es auch außen auf dem toten Tier. Gut. Pfeffer! Ich habe keinen mehr, stelle ich fest. Macht aber nichts, ich bin kein Pfeffer-Freund. Obwohl ich das Wort mag. Wie ein Kuss schauen die Lippen dann aus, wenn man es ausspricht.
Zu guter Letzt bekommt der Fisch noch eine Decke aus Mehl. Damit knusprig und so.
In der Pfanne dann wieder nach Gefühl, aber auch ruhig mal länger, denn ein Fisch wird selten zäh. Oder? Ich habe noch nie zähen Fisch gegessen.
Bon appetit!